Schweinegrippe: Pandemie steht unmittelbar bevor
Britische Studie bestätigt WHO-Annahme
Schweinegrippe-Pandemie steht unmittelbar bevor (Foto: pixelio/www.filawelt.com)
London/Wien (pte/12.05.2009/13:50) - Wissenschaftler des Londoner Imperial College http://www3.imperial.ac.uk kommen in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Science zum Schluss, dass die Daten über die Schweinegrippe Hinweise auf die Frühphase einer Pandemie liefern. Auf jede infizierte Person kommen nach den Hochrechnungen der Forscher vom MRC Centre for Outbreak Analysis and Modelling 1,2 bis 1,6 Zweitfälle. Im Vergleich zur saisonalen Influenza sei das recht hoch, denn dort wird mit einer Durchseuchungsrate zwischen zehn und 15 Prozent gerechnet, während man hier mit 20 bis 30 Prozent rechnen müsse. “Die Einschätzung der britischen Forscher entspricht damit auch der Beurteilung der WHO”, meint Hubert Hrabcik, Sektionschef in der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium http://www.gesundheitsministerium.at im pressetext-Interview. “Die WHO hat wegen der sich ausbreitenden Schweinegrippe das Pandemierisiko auf die zweithöchste Stufe fünf angehoben”, so Hrabcik. Das bedeutet, dass das Virus in mindestens zwei Ländern auf einem Kontinent von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Es gebe jedoch keine ausgeprägten Infektionsketten. Zudem habe das Virus derzeit nicht jene Bösartigkeit, die zunächst vermutet wurde. Die Ausbreitung des Virus über Länder sei über Reisende erfolgt. Man sei man auf die Situation vorbereitet, erklärt der Experte. Die Londoner Forscher schätzen, dass in Mexiko die Schweinegrippe - die Influenza A Stamm H1N1 - zu rund vier Todesfällen pro 1.000 Infizierten führt. Das entspreche der Sterberate der Grippepandemie von 1957. Allerdings geben die Experten auch an, dass sich die Vorsorge seit 1957 wesentlich effektiver und man zudem deutlich besser vorbereitet sei. Die Erkrankung sei aller Wahrscheinlichkeit nach am 15. Februar in Mexiko erstmals aufgetreten. Bis Ende April sind insgesamt 23.000 Menschen in Mexiko infiziert worden, 91 sind daran gestorben. Die Angaben sind allerdings unsicher, da einige mild verlaufene Fälle nicht gemeldet wurden. Die Zahlen der tatsächlich Infizierten könnten zwischen 6.000 und 32.000 liegen, rechnen die Londoner Forscher vor. Im relativ isoliert gelegenen Dorf La Gloria in Mexiko waren Kinder doppelt so oft an der Grippe erkrankt wie Erwachsene. Erwachsene haben offensichtlich ein besseres Immunsystem gegen die Infektion. Das könne auch daran liegen, dass sie bereits einmal zuvor von einem verwandten Virenstamm infiziert waren. Ein anderer Grund könnte aber auch sein, dass Kinder wegen der körpernahen Interaktion in Schulen oder Kindergärten häufiger betroffen waren. Studienautor Neil Ferguson und sein Team kommt nach den erhobenen Daten zum Schluss, dass es sich um eine unmittelbar bevorstehende Pandemie handelt. Generell gebe es derzeit keine Reisewarnung, meint Hrabcik. Als einfach anzuwendende Schutzmechanismen rät der Mediziner zu aufmerksamer Hygiene und häufigem Händewaschen. Eine 100-prozentige Vorbeugung sei natürlich nicht möglich. Derzeit gebe es aber keinen Grund zur Panik, denn die Erkrankung verlaufe relativ mild und sei nach drei bis vier Tagen überstanden. “Wir erhalten vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm, dem US-Zentrum für Krankheitskontrolle in Atlanta und der WHO täglich Berichte über den Verlauf, die Verbreitung und die Zahl der Neuinfektionen”, betont der Experte. “Derzeit arbeiten Forscher fieberhaft an der Virusanalayse - an der Sequenzierung und Genotypisierung des Stammes”, erklärt Hrabcik. (Ende)
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